Sie ist wieder da


Mit der Ténéré 700 präsentiert Yamaha eine Maschine, die das Zeug hat, die Reiseenduro­-Mittelklasse aufzumischen. Durch Reduktion­­ auf das Wesentliche vereint die T7 beste Fahrbarkeit on- wie offroad und ein stringentes Design mit Wirtschaftlichkeit.

Nur wenige Modellbezeichnungen in der Motorradwelt sind ähnlich stark emotional aufgeladen wie der Begriff Ténéré. Man muss kein ausgewiesener Endurist sein, um mit diesem Namen Fernweh, Abenteuer und die große Freiheit der Wüste zu verbinden. Geschickt hat Yamaha mit dem Mythos Ténéré gespielt, um die Fans über eine beispiellos lange Durststrecke bei Laune zu halten. Sage und schreibe drei Jahre sind vergangen, von der ersten Ankündigung eines zeitgemäßen Nachfolgers des prestigeträchtigen Adventure Bikes bis zum Verkaufsstart.
Jetzt ist sie endlich da. Rund 200 Kilogramm, knapp 75 PS, gute 200 Millimeter Federweg und ein unverkennbares Gesicht. Von den Eckdaten her hat die neue Ténéré das Zeug, eine würdige Nachfolgerin der Maschine zu werden, die über viele Jahre hinweg das Traumbike aller Fernreisenden war.
Doch schauen wir uns Konzept und Technik im Detail an. Als Antrieb dient der aus zahleichen Modellen wie MT-07 oder XSR 700 bekannte Zweizylinder Reihenmotor. Das Crossplane-Triebwerk verfügt über einen Hubraum von 689 Kubikzentimetern. Seine lineare Drehmomentkurve mit ihrem Maximum von 68 Newtonmetern bei 6500 Umdrehungen erfreute bereits bei den Straßenmodellen, im Pisten- und Offroadeinsatz ist diese bullige Charakteristik umso wertvoller.

Bei der Radaufhängung setzt Yamaha auf eine solide, jedoch nicht übermäßig ambitionierte Standardkonfiguration mit einer 43er USD-Gabel und einem über Hebel angelenkten Zentralfederbein. 210 Millimeter beträgt der Federwegweg der Gabel, 200 Millimeter Arbeitsweg stehen dem Hinterrad zur Verfügung.
Die Speichenräder haben mit 21 Zoll vorne und 18 Zoll hinten bewährte Enduro-Dimensionen und erlauben die Auswahl aus einem breiten Offroadreifen-Spektrum.
Mit einen Startgewicht von 204 Kilogramm inklusive 16 Litern Kraftstoff an Bord ist die Ténéré 700 im Feld der Zweizylinder vergleichsweise leichtfüßig unterwegs. Neben dem moderaten Gewicht kommt auch die gemäßigte Sitzhöhe von 875 Millimetern einem einfachen Handling entgegen.
Um die Ténéré artgerecht auf Pisten zu bewegen, erhält der Fahrer einen Arbeitsplatz mit einem breiten, konifizierten und maßvoll gekröpften Lenker, der durch seine leicht erhöhte Montage eine aufrechte Sitzposition auf der schmalen, einteiligen Bank ermöglicht.
Im Cockpit liefert ein Kombiinstrument mit großem LCD-Screen alle relevanten Informationen. Hinter der nach Vorbild der hauseigenen Rallyemaschinen komplett in Klarglasoptik gehaltenen Verkleidung ist auch noch genug Platz für Zusatzinstrumente wie Navi oder Roadbook.

Verzögert wird die 700er Ténéré von einer 282er Doppelscheibenbremse am Vorderrad sowie einer 245er Scheibe im Heck. Das Antiblockiersystem lässt sich im Geländeeinsatz abschalten.
Puristen werden an dieser Stelle aufatmen, denn mit dem ABS ist auch schon das einzige an Bord befindliche Assistenzsystem benannt. Indem Yamaha mit dem 700er Crossplane-Motor ein topaktuelles Triebwerk einsetzt, der Ténéré 700 ein robustes Chassis verpasst und dabei mit Ausnahme des sinnvollen ABS auf alle derzeit angesagten Assistenzsysteme verzichtet, greift der Hersteller das Konzept der Ur-Ténéré wieder auf: Sparsam dosierte moderne Technik im Dienste eines unverfälschten Fahrerlebnisses. Damit trägt die Neue die Bezeichnung Ténéré mit Fug und Recht – auch wenn sie wegen ihres Zweizylinders formal eher eine Super Ténéré wäre.

Das Gute besser machen

Ebenso wie das breite Publikum waren natürlich auch die Experten bei Touratech äußerst gespannt auf die neue Ténéré. Im Laufe des Sommers konnten immer mehr Mitarbeiter zu Testfahrten starten. Neben eingefleischten Ténéré-Fans wie Jochen Schanz oder Lothar Teufer (großes Special in Travel Time 02/2018) nahmen auch Kollegen mit ganz anderen Markenvorlieben im Sattel der neuen 700er Platz.
Umso erstaunlicher war die durchweg positive Resonanz nach den ersten Ausfahrten. »Die Ténéré 700 passt mir wie ein maßgeschneiderter Handschuh. Ich setzte mich drauf und fühlte mich sofort zuhause«, gab Cliff Vizer aus der Entwicklung zu Protokoll. Ganz ähnlich sah es Werkstattleiter Wolfgang Banholzer. »Alles passt und ist da, wo es hingehört«, stellte er fest. Besonders gut haben ihm das einstellbare Fahrwerk und die Radgrößen mit 21 bzw. 18 Zoll gefallen. Von der guten Ergonomie und Wendigkeit im Geländeeinsatz zeigte sich Daniel Schifer, seines Zeichens Betriebsratsvorsitzender, besonders angetan.
Doch man wäre nicht bei Touratech, wenn trotz des positiven Tenors der Bewertung nicht auch ein deutliches »Ja aber« zu hören gewesen wäre. Was denn »aber«?
Nun gut. Unisono wurde der unzureichende Schutz des Triebwerks bemängelt. Für den ernsthaften Offroadeinsatz, für den die Ténéré 700 ja die besten Voraussetzungen besitzt, haben die Entwickler eine Variante des bewährten Motorschützers »Rallye« konstruiert. Zusätzlichen Schutz bei Umfallern bietet der robuste, aus Edelstahlrohr gefertigte Sturzbügel. Beschädigungen des futuristischen Scheinwerfers durch aufgewirbelte Steine vermeidet ein solides Metallgitter.
Auch für längere Ausritte stehen bereits zahlreiche Zubehörlösungen bereit. Selbstverständlich wird es ein Alukoffersystem geben. Zur Montage am modellspezifisch gefertigten Edelstahlträger stehen mehrere Größenvarianten der aktuellen Kofferlinie ZEGA Evo bereit. Auch ein Träger für Topcases ist im Angebot. Abgerundet wird das Gepäcksortiment durch eine Auswahl textiler Komponenten wie Tankrucksäcke und Taschen.
Ein deutliches Plus an Komfort auf schnellen Etappen bieten die von Touratech selbst entwickelten Windschilde, die sich harmonisch in die Optik der Fahrzeugfront einfügen.
Besonders intensiv haben sich die Kollegen von der Fahrwerkssparte Touratech Suspension ins Zeug gelegt. Bereits das kleine Upgrade mit progressiven Federn für Gabel und Federbein verbessert die Performance enorm. Nochmals höheren Komfort und höchste Durchschlagfestigkeit garantiert der Einbau eines voll einstellbaren Federbeins der Reihe »Level2«.
Für sportlichen Geländeeinsatz und maximale Präzision auf allen Untergründen empfiehlt sich das Federbein der Reihe ­»Extreme«. Unerreicht in Ansprechverhalten und Robustheit sind die voll einstellbaren Cartridge Kits für die Gabel.
Auf Wunsch sind die Fahrwerkskomponenten auch in verkürzter Länge zur Tieferlegung der Ténéré 700 um 35 Millimeter erhältlich. Alle Federelemente von Touratech Suspension sind voll servicefähig.

 

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Kategorie: News, Adventure | Travel