Ich und meine XT


Lange genug hat Yamaha die XT-Fans auf die Neuauflage der legendären Ténéré warten lassen. Nun wird mit der T7 endlich eine zeitgemäße Interpretation des Kultbikes kommen. Zwei Yamaha-Fans bei Touratech, COO Jochen Schanz und Vertriebsmitarbeiter Lothar Teufer, blicken zurück auf ihre Abenteuer mit XTs und formulieren ihre Erwartungen an die neue T7.

JOCHEN SCHANZ: Meine XT-Story

Die XT 600 war mein erstes echtes Motorrad. Zuvor hatte ich schon zwei DT 80 LC gefahren. Es lag also nahe, mir wieder eine Enduro von Yamaha zu kaufen. Zudem genoss die XT seinerzeit einen legendären Ruf in Sachen Zuverlässigkeit. An meinem 18. Geburtstag, im Januar 1986, war es dann soweit: Bei Yamaha Motorsport in Herrenberg kaufte ich meine XT 600.

Die XT blieb allerdings nicht lange im Serienzustand. Ich habe sie mit ihrem kräftigen Single und dem robusten Gesamtkonzept von vornherein als Basis betrachtet, auf der ich meine persönliche Traummaschine aufbauen wollte. Peu à peu habe ich die Maschine zum Fernreisebike umgebaut. Wenn man die Liste der Modifikationen betrachtet, waren an meiner XT damals schon die Komponenten, die Touratech später – in professionalisierter Form natürlich – erfolgreich gemacht haben.

Ein Koffersystem mit Aluboxen und breiter Gepäckbrücke durfte für die große Tour ebenso wenig fehlen wie ein voluminöser Tank. Viel Arbeit habe ich eine Einzelsitzbank sowie einen selbstgefertigten Tankrucksack gesteckt. Das Fahrwerk wurde ebenso überarbeitet wie die Ergonomie mit Lenker und speziellen Fußrasten. Für harte Einsätze montierte ich Unterfahrschutz, Handschützer und Scheinwerfergitter. Auch an der Schwinge musste ich Hand anlegen, damit ich den Michelin Desert – die erste Wahl für Wüstenfahrer – montieren konnte. Auch der Motor erfuhr einige Modifikationen, unter anderem habe ich einen Ölkühler installiert, um die thermische Standfestigkeit zu verbessern.

Mit diesen Umbauten war die Maschine startklar für die große Reise. Doch bis dahin sollte es noch etwas dauern. Zunächst einmal war die XT mein Alltagsmotorrad, bis zu 40.000 Kilometer pro Jahr habe ich darauf abgeschrubbt. Ein Auto besaß ich zu dieser Zeit nicht. Nur im Winter gönnte ich der XT immer eine Pause – da stieg ich auf eine XT 250 um.

Sobald es meine Zeit zuließ, ging ich mit meinem Traumbike auf Tour. Ein besonders beliebtes Ziel waren in meinem Freundeskreis die Westalpen. Allein fünfmal scheuchten wir unsere XTs auf den Chaberton. Und auch sonst waren wir in Europa viel auf Schotterstrecken unterwegs. Auch Tunesien, Algerien, Marokko und Libyen haben wir mit unseren Enduros intensiv bereist.

Die ultimative Bewährungsprobe für Motorrad und Umbauten kam dann im Jahr 1991. Von meinem damaligen Heimatort Bergfelden bin ich mit einer Gruppe begeisterter Enduroreisender nach Togo aufgebrochen. Von dem Land am Golf von Guinea ging es dann weiter quer durch Zentralafrika, bis wir nach dreieinhalb Monaten und 15.000 Kilometern Kenia erreichten.

Damals gab es noch kein GPS, weshalb die Navigation in der Sahara sehr schwierig war. Eine große Herausforderung waren auch die unglaublich schlechten Pisten in Zentralafrika. Der große Tank machte sich angesichts der unsicheren Benzinversorgung in Schwarzafrika mehr als bezahlt. Überhaupt war diese Reise von zahlreichen Unwägbarkeiten geprägt. Meist wussten wir morgens nicht, wo wir abends übernachten würden. Und auch die Sicherheitslage war sehr angespannt. Zu dieser Zeit tobten in Ruanda und Teilen Ugandas Bürgerkriege.

Letztlich haben wir alle Schwierigkeiten gemeistert, und auch meine XT 600 hat sich wacker geschlagen. Nur die Lichtmaschine hat kurz vor Ende der Reise ihren Geist aufgegeben, weshalb ich die letzten 600 Kilometer bis Nairobi abgeschleppt werden musste. Doch diese Panne hatte auch etwas Gutes: Ansonsten wäre ich wahrscheinlich noch länger in Afrika geblieben, und dann hätte es Touratech in dieser Form wahrscheinlich nie gegeben.

Mittlerweile hat die XT 150.000 Kilometer auf der Uhr und befindet sich immer noch in meinem Besitz.

LOTHAR TEUFER: Meine XT-Story

Im Herbst 1989 bin ich gemeinsam mit zwei Begleitern zu einer Afrika-Reise gestartet. Die Kollegen waren mit einer BMW R80GS und einem BMW-Enduro-Gespann unterwegs, ich mit einer Yamaha XT 600. Ich hatte die Maschine mit Kofferträger und Alukoffern und Motorschutz ausgerüstet – alles Eigenbau–, ein 40-Liter-Tank von Acerbis sorgte für die nötige Reichweite. Die Sitzbank musste ich entsprechend anpassen. Das Fahrwerk hatte ich mit stärkeren Federn für Gabel und Stoßdämpfer auf die hohe Belastung vorbereitet.

In der Algerischen Wüste bekommen wir die Nachricht, dass in Berlin die Mauer gefallen ist. Unsere gemeinsame Reise setzten wir noch bis nach Kamerun fort. Dort trennten sich leider unsere Wege. Das Enduro-Gespann hatte auf der Tour so stark gelitten, dass die beiden die Rückreise auf der GS antraten.

Ein paar Tage später traf ich auf dem Weg nach Bangui, der Hauptstadt Zentral Afrikas, drei Schweizer. Zwei von ihnen waren auf Ténérés unterwegs, Stefan auf einer Africa Twin. Wir blieben die gesamte Reise bis in den Süden Afrikas ein Team.

Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Stefan hatte nach ein paar Tagen in Bangui einen Unfall und verletzte sich die rechte Hand. Durch einen glücklichen Zufall haben wir Richard und Gabi kennengelernt. Die beiden waren mit dem Geländewagen auf Hochzeitsreise und Richard erklärte sich bereit, die Africa Twin zu fahren und Stefan konnte im Toyota Landcruiser die Reise fortsetzten. Um das Team für die Weiterfahrt durch Zaire, den heutigen Kongo, zu komplettieren, schlossen sich Uwe und Ingrid mit einer 2CV (Ente) unserer lustigen Reisetruppe an.

Die Yamaha, es war übrigens mein viertes Motorrad nach Honda XL 250 S, Honda XL 500 R und einer ’85er XT 600, hatte während der gesamten Reise, die mich ein Jahr lang 30.000 Kilometer von Tunis bis Kapstadt über teils schwierigste Strecken führte, keine Probleme. Außer für normale Servicearbeiten wie Ölwechsel, Kettenkit und Bremsbeläge tauschen, musste ich kein Werkzeug in die Hand nehmen.

Und ich habe mit der zuverlässigen Maschine bald darauf noch eine Extrem-Reise unternommen: 1991 fuhr ich mit der XT 600 acht Wochen durch Tunesien.

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